Angst gehört zum Leben. Das gilt überall auf der Welt – und genauso hier in Namibia.
Vielleicht haben Sie Angst um Ihre Zukunft. Vielleicht sorgen Sie sich um Ihre Kinder oder Enkel. Manche Jugendliche haben Angst vor Prüfungen, davor, nicht gut genug zu sein oder nicht dazuzugehören. Andere erleben Mobbing, Einsamkeit oder einen enormen Leistungsdruck. Manche kämpfen sogar mit Panikattacken – plötzlich rast das Herz, die Luft scheint knapp zu werden, und das Gefühl entsteht:
„Ich verliere die Kontrolle.“
Auch Erwachsene kennen Angst. Die wirtschaftliche Lage, Arbeitslosigkeit, Dürre, Kriminalität oder die Frage, wie es mit der eigenen Gesundheit weitergeht – all das kann uns beschäftigen. Manche Familien leben weit voneinander entfernt. Andere vermissen Angehörige, die ausgewandert sind oder im Ausland arbeiten. Hinter einem freundlichen Lächeln verbirgt sich oft eine Last, die niemand sieht. Angst ist dabei zunächst nichts Schlechtes. Gott hat unseren Körper so geschaffen, dass er auf Gefahr reagieren kann. Tief in unserem Gehirn gibt es die sogenannte Amygdala – unser inneres Alarmsystem. Man kann sie sich wie einen Rauchmelder vorstellen. Sobald sie eine Gefahr vermutet, löst sie Alarm aus.
Das Herz schlägt schneller, die Atmung verändert sich, die Muskeln spannen sich an. Das ist lebenswichtig, wenn Menschen vor einer echten Gefahr fliehen müssen. Doch manchmal reagiert dieser Rauchmelder zu empfindlich. Er schlägt Alarm, obwohl gar kein Feuer da ist. So kann es bei einer Panikattacke sein oder in Zeiten großer Überforderung. Das bedeutet nicht, dass jemand schwach ist oder zu wenig glaubt. Es bedeutet zunächst einmal, dass Körper und Seele unter großem Stress stehen.
Genau das sehen wir auch beim Propheten Elia. Kurz zuvor hatte Gott durch ihn ein großes Wunder getan. Und doch floh Elia kurz darauf voller Angst in die Wüste. Er war erschöpft und wollte nicht mehr weiter. Gott machte ihm keine Vorwürfe. Er gab ihm zuerst zu essen, ließ ihn schlafen und stärkte ihn. Erst danach sprach er zu seinem Herzen. Das zeigt: Gott begegnet uns nicht erst, wenn wir stark sind. Er begegnet uns grade dann, wenn unsere Kraft am Ende ist.
Eine Frau berichtete, dass sie mitten beim Einkaufen plötzlich dachte, sie müsse sterben. Ihr Herz raste, ihre Hände zitterten, sie bekam kaum Luft. Später stellte sich heraus: Es war eine Panikattacke.
Sie schämte sich und dachte: „Als Christin dürfte mir so etwas doch gar nicht passieren.“
Erst als sie mit ihrem Pastor und später mit einer Therapeutin sprach, verstand sie besser damit umzugehen. Heute berichtet sie:
„Gott hat meine Panik nicht über Nacht weggenommen. Aber er hat mir Menschen geschickt, die mich begleitet haben.“
Die Bibel spricht erstaunlich ehrlich über Angst. Sie verschweigt sie nicht. Mose hatte Angst vor seiner Berufung. David schrieb viele Psalmen aus großer Not. Petrus bekam Angst, als er auf dem Wasser ging. Und sogar Jesus rang im Garten Gethsemane mit tiefer Angst vor dem, was vor ihm lag.
Die Bibel kennt keine Helden ohne Angst. Aber sie erzählt von einem Gott, der Menschen gerade in ihrer Angst begegnet. Deshalb lautet die Botschaft der Bibel nicht: „Ein Christ darf keine Angst haben.“ Sie lautet vielmehr: „Du brauchst mit deiner Angst nicht allein bleiben.“
Einer der bekanntesten Verse der Bibel steht im Buch Jesaja 41,10:
„Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.“
Auffällig ist: Gott sagt nicht: „Es wird niemals Schweres in deinem Leben geben.“ Er sagt: „Ich bin mit dir.“
Eine Farmerin im Süden Namibias erzählte einmal, wie sie monatelang jeden Morgen zum Wasserstand ihrer Tränken ging. Der Regen blieb aus. Immer wieder stellte sie sich dieselbe Frage: „Wie lange schaffen wir das noch?“ Nach außen wirkte sie ruhig, doch nachts lag sie oft wach. Eines Morgens las sie beim Frühstück Jesaja 41,10. Sie sagte im Rückblick: „Der Regen kam nicht sofort. Meine Sorgen waren auch nicht verschwunden. Aber ich hatte das Gefühl, dass ich die Last nicht mehr allein tragen brauchte.“ Wochen später begann es schließlich zu regnen. Später sagte sie:
„Der Regen war ein Geschenk. Aber das größte Wunder war, dass Gott mich schon durch die Wochen davor getragen hatte.“
Vielleicht stehen auch Sie gerade vor einer Herausforderung, die Ihnen viel zu groß erscheint. Vielleicht fragen Sie sich: „Wie soll das nur weitergehen?“ Die Bibel lädt uns ein, nicht zuerst auf die Größe unserer Probleme zu schauen, sondern auf die Größe unseres Gottes. Denn für Menschen gibt es Grenzen. Aber Gott kennt solche Grenzen nicht. Jesus sagt: „Bei den Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott; denn bei Gott sind alle Dinge möglich.“
Das bedeutet nicht, dass Gott jeden Wunsch sofort erfüllt. Aber es bedeutet: Keine Herausforderung ist größer als der Gott, der mit uns geht. Das erinnert mich an Psalm 23,4. Dort heißt es nicht: „Ich werde niemals durch ein dunkles Tal gehen.“ David schreibt vielmehr:
„Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir.“
Das Tal verschwindet nicht. Aber Gott geht mit.
Wer schon einmal auf einer langen Straße durch Namibia mit einer Reifenpanne, einem Motor- oder Getriebeschaden liegen geblieben ist, kennt dieses Gefühl. Weit und breit ist niemand zu sehen. Das Handy hat keinen Empfang. Man fühlt sich hilflos. Doch plötzlich hält ein anderes Fahrzeug an. Die Situation ist dieselbe – die Sonne brennt, der Reifen ist noch platt und es geht nichts mehr, – aber alles verändert sich, weil man nicht mehr allein ist.
Vielleicht fragen Sie sich: „Wie ist Gott denn bei mir? Ich sehe ihn doch nicht.“ Oft zeigt sich seine Nähe ganz unscheinbar: in einem Bibelwort, das uns nicht mehr loslässt, in einem Menschen, der genau im richtigen Moment anruft, in einem Gebet, in einem Spaziergang durch die Weite der namibischen Landschaft oder einfach in der Kraft, den nächsten Schritt zu gehen. Manchmal erkennen wir erst im Rückblick, dass Gott uns die ganze Zeit getragen hat. Vielleicht erkennen Sie sich in einer dieser Situationen wieder. Vielleicht stehen auch Sie gerade in einem solchen Tal. Dann gilt Ihnen heute ganz besonders Gottes Zusage: „Ich bin mit dir.“
Gott verspricht nicht, dass er uns jede Angst nimmt und wir jedes Problem sofort lösen können. Aber er verspricht seine Gegenwart. Und diese Gegenwart verändert den Blickwinkel und die Wahrnehmung.
Denn unser Gott ist größer als unsere Angst. Größer als unsere Zweifel. Und größer als jede Herausforderung, vor der wir heute stehen. Deshalb dürfen wir mit Hoffnung nach vorne schauen. Nicht weil wir stark sind, sondern weil Gott treu ist.
Vertrauen bedeutet nicht, dass die Angst verschwindet. Vertrauen bedeutet, mit der Angst an Gottes Hand weiterzugehen. Es bedeutet: Ich habe Angst – und gehe trotzdem vorwärts mit Gott.
Corrie ten Boom erzählte einmal von einer Begebenheit aus ihrer Kindheit. Als kleines Mädchen hatte sie Angst vor der Zukunft. Eines Tages fragte sie ihren Vater: „Papa, was ist, wenn einmal etwas Schlimmes passiert?“ Da fragte der Vater zurück: „Wann gebe ich dir die Fahrkarte für die Zugreise?“ Corrie antwortete: „Erst kurz bevor wir einsteigen.“ Der Vater sagte: „Genau so macht es Gott. Er gibt uns die Kraft nicht Monate oder Jahre im Voraus. Er schenkt sie dann, wenn wir sie wirklich brauchen.“ Corrie hat diese Lektion nie vergessen. Später musste sie unvorstellbar schwere Zeiten durchleben. Und rückblickend sagte sie:
„Gott hat tatsächlich immer die Kraft für den nächsten Schritt geschenkt – genau dann, als ich sie brauchte.“
Darum dürfen wir Gottes Nähe immer wieder suchen – im Gebet, in seinem Wort und auch im Gespräch mit vertrauenswürdigen Menschen. Und wenn die Angst unser Leben bestimmt, dürfen wir ebenso professionelle Hilfe annehmen. Glaube und medizinische oder psychologische Hilfe schließen sich nicht aus. Gott kann beides gebrauchen. –
Nach einem Gewitter erleben wir oft etwas Interessantes. Die dunklen Wolken ziehen langsam weiter. Nicht immer verschwindet die Angst von heute auf morgen. Aber Stück für Stück wird es heller. So wirkt Gott oft auch in unserem Leben. Nicht immer spektakulär. Aber treu. Schritt für Schritt. –
Ein kleiner Junge hatte große Angst vor Gewittern. Sobald der Donner kam, lief er ins Schlafzimmer seiner Eltern. Eines Nachts sagte sein Vater: „Du brauchst keine Angst zu haben. Gott ist doch bei dir.“ Der Junge antwortete: „Das weiß ich. Aber im Moment brauche ich jemanden den ich berühren kann.“ –
Diese Antwort macht deutlich, dass Gott uns auch so seine Nähe zeigt – oft durch Menschen, die uns in den Arm nehmen, zuhören oder einfach da sind. Genau dazu lädt Gott uns ein, wenn er sagt:
„Ich bin mit dir.“
Diese Zusage der Gegenwart Gottes gilt nicht nur für starke Menschen. Sie gilt gerade denen, die müde geworden sind. Denen, die zweifeln. Denen, die sich überfordert fühlen. Den Jugendlichen, die denken: „Ich schaffe das alles nicht.“ Den Eltern, die sich Sorgen machen. Den älteren Menschen, die sich fragen, was die Zukunft bringt. Und vielleicht können Sie heute noch etwas mitnehmen: Ihre Geschichte ist nicht dem Zufall überlassen. Gott kennt nicht nur Ihr Leben – er schreibt daran mit. Manchmal verstehen wir einzelne Kapitel überhaupt nicht. Manche Seiten würden wir am liebsten herausreißen. Doch Gott hat den Überblick über das ganze Buch unseres Lebens. Deshalb dürfen wir hoffen: Die Angst schreibt nicht das letzte Kapitel unseres Lebens.
Das letzte Wort hat Gott.
Vielleicht brauchen Sie heute gar keine langen Erklärungen. Vielleicht genügt Ihnen heute dieser eine Satz:
„Du bist nicht allein.“ Gott kennt Ihre Geschichte. Er kennt Ihre Sorgen und Ihre Ängste. Und keinen Schritt Ihres Lebensweges geht er fern von Ihnen. Vielleicht ist das heute die wichtigste Botschaft dieser Andacht: Nicht die Angst hat das letzte Wort, sondern Gott, der bei Ihnen bleibt. Darum dürfen wir unsere Sorgen immer wieder zu ihm bringen. Denn wenn die Angst anklopft, brauchen wir ihr die Tür nicht allein zu öffnen. Christus hat versprochen: „Ich bin mit dir.“ Und deshalb bleibt – selbst wenn die Angst kommt – einer ganz gewiss bei Ihnen: Gott.
Ich möchte mit einem kurzen Gebet schließen. Wenn Sie mögen, beten Sie in Ihrem Herzen einfach mit.
Herr Jesus Christus, du kennst unsere Herzen. Du weißt, was uns Angst macht und wo wir uns überfordert fühlen. Danke, dass du uns nicht verurteilst, sondern uns einlädst, mit allem zu dir zu kommen. Schenke den Mutlosen neue Hoffnung, den Erschöpften neue Kraft und den Ängstlichen deinen Frieden. Sei besonders bei den Jugendlichen, die sich unter Druck fühlen, und bei allen, die mit Panik, Sorgen oder Einsamkeit kämpfen und stelle uns Wegbegleiter an die Seite, die uns zuhören, uns begleiten und mit uns den nächsten Schritt gehen. Lass uns immer wieder erfahren, dass deine Zusage wahr ist:
„Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir.“
Amen.
(Geschrieben von Pastor Andreas vom Ende)
Den Glauben und das Leben teilen wir am besten gemeinsam. Schauen Sie doch mal sonntags ab 10:00 Uhr in unserem Gottesdienst vorbei. Gerade wenn die Angst oder Panik mächtig wird, tut es gut, getragen zu werden. Sie müssen das nicht alleine durchstehen – unser Pastor hat immer ein offenes Ohr für Sie. Schreiben Sie uns oder rufen Sie an, um einen vertraulichen Termin zu vereinbaren.