Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.

Liebe Freunde der Stadtmission,

gerne würde ich mich – wie der Herr auf dem Bild – nach getaner Arbeit auf eine Bank unter einem schattigen Baum setzen. Das Werkzeug ist zur Seite gelegt. In der Hand hält er die letzten Zeichen seiner Arbeit. Sein Blick ist zufrieden und friedvoll. Er hetzt nicht mehr. Er weiß: Es ist genug.

Vielleicht hatte der Verfasser des Predigerbuches ein ähnliches Bild vor Augen, als er den Monatsspruch aufschreibt.

Unsere Gesellschaft propagiert etwas anderes, möglichst beide Hände voll zu haben: mehr Leistung, mehr Besitz, mehr Termine und dazu eine lange Liste unbeantworteter E-Mails. Doch wer beide Fäuste krampfhaft geschlossen hält, hat keinen Raum mehr für einen freundlichen Händedruck oder eine tröstendes Schulterklopfen.

Corrie ten Boom, die das Konzentrationslager Ravensbrück überlebte, sagte: „Gefaltete Hände sind stärker als geballte Fäuste.“ Zum Gebet gefaltete Hände ruhen in dem Herrn.

Wie selten geschieht uns das im Alltag! Vielleicht kennst du den Familienvater, der immer mehr Überstunden macht, um den Lebensstandard der Familie zu steigern. Seine Hände sind voller Erfolg – doch wenn er abends nach Hause kommt, schlafen die Kinder schon. Für ein Gespräch mit seiner Frau fehlt die Kraft. Seine Hände sind voll, aber sein Herz ist erschöpft.

Erst als er beginnt, sein Vertrauen im Gebet wieder neu auf den Herrn zu setzen, wagt er es, Nein zu weiteren Projekten zu sagen. Er lässt etwas los – und gewinnt dabei etwas Kostbares zurück: Zeit, Frieden und Gelassenheit.

Diese Ruhe kommt nicht vom Nichtstun. Sie ist ein Geschenk von Christus. Er sagt: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Mt 11,28)

Am Kreuz hat Jesus die schwerste Last getragen: unsere Schuld und unser Versagen. Weil Christus sie für uns getragen hat, müssen wir nicht mehr alles selbst tragen. Wir legen sie in seine Hände und finden dort Vergebung, Frieden und neue Kraft.

Vielleicht ist heute der richtige Moment, etwas loszulassen: eine Sorge, einen Anspruch oder den Wunsch, immer mehr leisten zu müssen. Öffne deine Hände und vertraue darauf, dass Christus dich hält.

Eine Handvoll Ruhe bei Jesus ist mehr wert als beide Fäuste voller Mühe – und ein Leben lang dem Wind hinterherzujagen.

Mit freudigem Segenswunsch, Harald Wenzel